Spielberg-Filme: Rangfolge / Wertung

Unsere Rangfolge berücksichtigt alle Filme, die unter der Regie von Steven Spielberg entstanden und im Kino uraufgeführt wurden. Sie beruht auf unserer Bewertung anhand der folgenden 10 Kriterien (ungewichtet):

  • Qualität / Originalität der Story bzw. des Drehbuchs
  • Innovative Filmsprache
  • Auswahl und Performance der Darsteller
  • Spannung
  • Humor
  • Anspruch
  • Geringer Anteil kitschiger oder unbeholfener Szenen
  • Filmanfang
  • Filmende
  • Gesamtempfehlung (allgemeine Qualität).

Die Zahlen in Klammern geben den Durchschnitt der von beiden Autoren abgegebenen Wertung an, bei einem Punktesystems von 0 (schlecht) bis 10 (sehr gut). Zum Vergleich sind dahinter die Einzelwertungen der Autoren angegeben.

B = Jörg Breitenfeld
L = Jörg Liemann.

Alle Wertungen sind natürlich höchst subjektiv und im Verlauf der Zeit gewissen Schwankungen unterworfen. Dennoch ist es bemerkenswert, wie die von den Autoren vergebenen Punktzahlen zum Teil erheblich voneinander abweichen.

Die Tabelle mit unseren Einzelwertungen zu den o.g. Kriterien haben wir hier zum Download abgelegt.

Damit deutlicher wird, was wir an den Filmen mögen oder nicht so mögen, haben wir zu jedem Film eine (zugegebenermaßen pointierte) Kurzrezension mit weniger als 250 Zeichen verfasst.

Über die Links der Titel lassen sich Hintergrundinformationen zu den Filmen aufrufen.

Unsere Top-10 Steven-Spielberg-Filme:

Raiders of the Lost Ark (1981) 8,9 (B 8,9 – L 8,9)
Jäger des verlorenen Schatzes
Vier Daumen nach oben! Stilsicher, schwungvoll und originell inszeniert. Der perfekt besetzte Kultfilm sprüht vor Action, Exotik, Spannung, Staunen und Humor – und lehrt sein Vorbild Bond das Fürchten.

Close Encounters of the Third Kind (1977) 8,8 (B 9,0 – L 8,7)
Unheimliche Begegnung der dritten Art
Manifest gegen das Klischee der bösen Aliens und für mehr Weltoffenheit. In berauschenden Bildern und mit wegweisenden Effekten lässt Spielberg Kunst, Wissenschaft, Sprache, Elektronik und Musik aufeinander treffen.

Jaws (1975) 8,8 (B 9,1 – L 8,5)
Der weiße Hai
Bis heute der innovativste Thriller auf hoher See mit einem perfiden Wechsel zwischen Thrill und Comic Relief. Höchstleistungen von Cast & Crew. Auch nach 40 Jahren ein Vorbild für Filmemacher.

Schindler’s List (1993) 8,7 (B 8,9 – L 8,5)
Schindlers Liste
Spielbergs bedeutsamstes Werk hinsichtlich seiner gesellschaftlichen Relevanz. Sowohl stilistisch als auch inhaltlich sein mutigster Schritt, der ihn als Künstler und Mensch verändert. Mit Akteuren, die man nie vergisst – gut wie böse.

The Fabelmans (2022) 8,6 (B 8,8 – L 8,4)
Die Fabelmans
Ein reifes Werk, mit dem Spielberg die Traumata seiner Jugend (Scheidung der Eltern, Antisemitismus in der Schule) in einer fiktiven Familiengeschichte verarbeitet. Zugleich eine Ode an die Filmmagie auf Zelluloid. Berührend, nachdenklich und überraschend witzig, mit einem brillanten Ensemble, bis in die kleinsten Rollen perfekt besetzt.

Bridge of Spies (2015) 8,5 (B 8,7 – L 8,3)
Bridge of Spies – der Unterhändler
Spielberg schlägt Brücken zwischen Weltanschauungen, Geschichte und Gegenwart und erinnert die Menschheit an ihre Menschlichkeit. Authentisch und humorvoll, mit einem überzeugenden Cast.

Poltergeist* (1982) 8,2 (B 8,1 – L 8,3)
Poltergeist
In diesem Mix aus Spektakel, Grusel und Ironie widmet sich Spielberg der „dunklen Seite von E.T.“ Vom ersten bis zum letzten Bild bestes Unterhaltungskino mit glaubwürdigen Charakteren und zugleich ein subversives Porträt der materialistischen Vorstadt-Bevölkerung.

Catch Me If You Can (2002) 8,0 (B 8,7 – L 7,4)
Catch Me If You Can
Unter seiner unterhaltsamen Oberfläche kommentiert der Film die Scheinheiligkeit der amerikanischen Gesellschaft in den 60er Jahren. Temporeich, mit Herz und Humor und einem tollen Cast. Berührend und authentisch: die Vater-Sohn-Geschichte.

Lincoln (2012) 7,9 (B 7,9 – L 7,9)
Lincoln
In ruhigen Bildern und ohne viel „Tamtam“ macht Spielberg Lincolns beharrliches Vorgehen und seine Zweifel erfahrbar. Hauptdarsteller Daniel Day-Lewis verleiht mit seinem subtilen Spiel abstrakter Geschichte ein menschliches Antlitz. Ein gesellschaftspolitisches Lehrstück mit Gegenwartsbezug.

The Post (2017) 7,8 (B 8,0 – L 7,6)
Die Verlegerin
Die Verlegerin wird zunächst als wenig durchsetzungsfähige Frau charakterisiert. Was folgt, ist ein fesselndes Plädoyer für Emanzipation und Pressefreiheit, das Spielberg während der Trump-Präsidentschaft in die Kinos bringt. Glanzleistung von Meryl Streep, und der restliche Cast kann sich ebenfalls sehen lassen.

Auf den weiteren Plätzen:

E.T. the Extra-Terrestrial (1982) 7,6 (B 8,3 – L 6,9)
E.T. – der Außerirdische
Der Film porträtiert Kinder als ernstzunehmende Menschen und erzählt die Geschichte aus ihrer Perspektive. Aus einer Puppe erschafft Spielberg ein lebendiges Wesen, das Jung und Alt berührt. Seine Inszenierung reicht von intim bis melodramatisch, mit meisterhaft komponierten Bildern und einem überzeugenden Cast.

Saving Private Ryan (1998) 7,4 (B 8,0 – L 6,9)
Der Soldat James Ryan
Beim Angriff am Omaha Beach setzt Spielberg neue Maßstäbe in der realistischen, entglorifizierenden Darstellung von Kriegsgemetzel. Sein Denkmal für die Veteranen lässt sich Zeit, auch für Zwischentöne, kommt aber nicht ohne Pathos aus. Zum Ende hin vergleichsweise konventionell.

Minority Report (2002) 7,2 (B 7,7 – L 6,8)
Minority Report
Spielberg verpackt seine Warnung vor den Konsequenzen von George W. Bushs „Homeland Security“ in einen rasanten Science-Fiction-Film mit der Optik eines Film noir. Düster und visionär. Genial: der Anfang. Von den meisten missverstanden: das vermeintliche Happy End.

The Terminal (2004) 7,2 (B 7,8 – L 6,7)
Terminal
Spielbergs sehr freie Deutung einer wahren Begebenheit hinterfragt die Bürokratie, die politischen Flüchtlingen den Eintritt in ein Land verwehrt (hier: die USA). Mal komisch bis satirisch, mal sentimental. Leider in den Nebenstories verzettelt und am Ende uninspiriert.

Indiana Jones and the Last Crusade (1989) 7,1 (B 7,5 – L 6,8)
Indiana Jones und der letzte Kreuzzug
Köstlicher Schlagabtausch zwischen den Stars Ford und Connery und ein raffinierter Einstieg mit einem jungen Indy. Action gepaart mit Slapstick und Show. Das routinierte Ende und die Hauptdarstellerin können jedoch die hohen Erwartungen nicht erfüllen.

Jurassic Park (1993) 7,1 (B 8,1 – L 6,2)
Jurassic Park
Wegweisender Special Effects-Film voller Spektakel, Abenteuer und Humor. Virtuos beherrscht Spielberg die Klaviatur des Nervenkitzels, vernachlässigt dabei aber seine Charaktere. Die Kinder wirken wie Schablonen. Erfrischend: der Sarkasmus von Dr. Ian Malcolm.

Empire of the Sun (1987) 7,1 (B 7,4 – L 6,9)
Das Reich der Sonne
Episch wie ein David Lean-Werk und in lyrischen Bildern erzählt – aus der Perspektive eines Heranwachsenden. Spielbergs Romanadaption ist nicht durchweg gelungen, gehört aber zu seinen unterschätzten Filmen. Genial: der Anfang; nur Mittelmaß: das Ende.

Munich (2005) 7,0 (B 7,9 – L 6,1)
München
Spielbergs mutiger Film schildert den Beginn der Terror-Spirale und gibt beiden Seiten eine Stimme. Mit starken Bildern und Dialogen kritisiert er die „Kollateralschäden“ des Antiterror-Kampfs. Abzüge für Spielbergs Verzicht auf den Originaldrehort im Olympiadorf.

Ready Player One (2018) 6,7 (B 7,5 – L 5,9)
Ready Player One
In Spielbergs Verfilmung gehen die Charakterentwicklung und Gesellschaftskritik der Romanvorlage teilweise verloren. Was bleibt, ist ein rasantes Virtual Reality-Abenteuer mit einer Flut aus CGI und Popkultur-Anspielungen. Beeindruckend: Spielbergs Hommage an Kubricks The Shining.

The Sugarland Express (1974) 6,6 (B 7,1 – L 6,2)
Sugarland Express
Spielbergs erster Kinofilm zeigt eine gespaltene Gesellschaft, ist aber im Unterschied zu anderen New Hollywood-Filmen um Ausgewogenheit bemüht. Eindrucksvolle Kamera und Choreografie von Menschen- und Fahrzeugmassen, aber die Figuren bleiben eindimensional.

West Side Story (2021) 6,5 (B 7,5 – L 5,5)
West Side Story
Das mit zehn Oscars dekorierte Original von 1961 neu zu verfilmen, ist ein Wagnis. Spielberg wird der Vorlage nicht nur gerecht, sondern er kann ihr auch eigene künstlerische Aspekte abgewinnen. Dennoch bleibt die Frage nach dem Nutzen eines Remake im Vergleich zu Stoffen. die Spielberg selbst entwickelt hat.

A.I. – Artificial Intelligence (2001) 6,4 (B 6,9 – L 6,0)
A.I. – Künstliche Intelligenz
Durch Stanley Kubricks Pionierarbeit und Spielbergs Regie verbindet dieses „Future Fairytale“ die Stile und Themen zweier Titanen des Kinos, die unterschiedlicher nicht sein können. Das Ergebnis ist anspruchsvoll, doch nicht frei von Makeln. Einer seiner unterschätzten Filme.

The Adventures of Tintin (2011) 6,4 (B 6,6 – L 6,2)
Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn
Die Machart ist wichtiger als die aberwitzige Handlung. Sprudelt vor visuellen Einfällen und Situationskomik und wird Hergés Original gerecht. Insgesamt bleibt dies aber ein von der Technik bestimmter Film, dem zum Ende hin die Luft ausgeht.

War of the Worlds (2005) 6,3 (B 6,8 – L 5,9)
Krieg der Welten
In diesem Remake bringt Spielberg seine jugendlichen Darsteller zu Höchstleistungen – und seinen Hauptdarsteller. Klaustrophobische 9/11-Verarbeitung mit eindrucksvollen Sequenzen (Hervorbrechen des Tripods, Flugzeugwrack, Zug in Flammen). Zum Ende abflachend.

Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull (2008) 5,9 (B 5,9 – L 6,0)
Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels
Ein toller Cast und ein Script, das Indy mit seiner Partnerin aus dem ersten Teil vereint. Action, Suspense und witzige Einfälle im Area 51, in der Nukleartest-Siedlung und im Tempel. Leider bleiben viele Chancen ungenutzt, und manche Szenen erscheinen unmotiviert oder überzogen.

The Color Purple (1985) 5,8 (B 6,3 – L 5,4)
Die Farbe Lila
Nach seinen Blockbuster-Erfolgen wendet sich Spielberg einem riskanten Stoff zu, um auch als „seriöser“ Filmemacher Respekt zu erlangen. Seine Romanadaption zeichnet sich durch geniale Sequenzen und großartige Darsteller aus, wirkt aber insgesamt zu melodramatisch und aufgesetzt.

Amistad (1997) 5,6 (B 6,1 – L 5,2)
Amistad
Spielberg übersetzt eine historische Begebenheit in ein menschlich nachvollziehbares Drama, vermag damit aber trotz eines fulminanten Auftritts von Anthony Hopkins aus dem Schatten von Schindlers Liste nicht herauszutreten. Amistad wirkt jedoch „erwachsener“ als The Color Purple.

The Lost World: Jurassic Park (1997) 5,5 (B 6,7 – L 4,4)
Vergessene Welt: Jurassic Park
Nach einer phänomenalen Anfangssequenz sucht Spielberg nach filmischen Herausforderungen, wird aber in dieser Fortsetzung nur selten fündig. Ein Highlight: der Wohnwagen am Abgrund. Die ausgezeichneten Darsteller sind unterfordert.

Always (1989) 5,3 (B 5,5 – L 5,2)
Always – Der Feuerengel von Montana
Spielbergs Remake eines Melodrams aus dem 2. Weltkrieg bietet tolle Akteure auf, scheitert jedoch auf mehreren Ebenen: als Beziehungsdrama zu rührselig und altmodisch inszeniert, als Komödie nicht immer auf den Punkt und in der Bildsprache nicht besonders originell.

The BFG (2016) 4,7 (B 5,5 – L 3,9)
BFG – Big Friendly Giant
Der Film wird vom sensiblen Porträt der Titelfigur getragen. Gegenüber Roald Dahls Vorlage nimmt sich Spielberg einige Freiheiten heraus. Manche Änderungen sind brillant, andere missraten. Spektakel und Holzhammer-Humor erdrücken die durchaus vorhandenen leisen Momente.

Indiana Jones and the Temple of Doom (1984) 4,7 (B 5,0 – L 4,4)
Indiana Jones und der Tempel des Todes
In dieser Fortsetzung werden dem Helden eine hysterische Blondine und ein kleiner Junge an die Seite gestellt, die beide nerven. Der schrille Ton und der Sadismus des Films verstören selbst Fans. Höhepunkte: die Musical-Intro und die haarsträubende Minen-Verfolgungsjagd.

War Horse (2011) 4,4 (B 5,2 – L 3,7)
Gefährten
Spannend erzählt, mit überzeugenden Darstellern (und Pferden). In seinen besten Sequenzen erinnert der Film an Klassiker wie All Quiet on the Western Front (1930) und Paths of Glory (1957), doch insgesamt kann Spielberg dem Thema inhaltlich und visuell wenig Neues abgewinnen.

Hook (1991) 3,3 (B 4,0 – L 2,6)
Hook
Spielberg in der Krise: Trotz opulenter Ausstattung und einer faszinierenden Grundidee fehlt dem Film die Seele. Die Riege namhafter Darsteller spielt so subtil wie ein Panzer, manche Szene gerät aus dem Ruder. Nicht einmal die Kinder wirken sympathisch.

1941 (1979) 2,7 (B 2,6 – L 2,9)
1941 – Wo bitte geht’s nach Hollywood
Als Kriegssatire angelegt, erweist sich der Film ausgerechnet auf dem Gebiet der Komik als Rohrkrepierer. Die meisten Gags zünden nicht, auch wenn sich der Hauptdarsteller alle Mühe gibt. Stumpfsinniger Bombast und Overacting allerorten.

Zur chronologischen Aufstellung von Spielbergs Regie-Arbeiten geht es hier.


* Spielberg war die treibende Kraft hinter Poltergeist, er war Produzent, schrieb das Drehbuch und traf am Set wesentliche, kreative Entscheidungen. Daher betrachten wir Poltergeist als einen Spielberg-Film.