Poltergeist (1982)

In Poltergeist (Drehbuch und Produktion: Steven Spielberg) wird das Haus einer jungen Familie von bösartigen Geistern belagert und die kleine Carol Anne entführt. Die Familie muss bei ihrem Kampf gegen die Schattenwelt Zusammenhalt beweisen, um sie zurück zu gewinnen.

Den stark biografisch geprägten Film bezeichnet Spielberg als seinen persönlichen Albtraum: E.T. is my personal resurrection, and Poltergeist is my personal nightmare.“Poltergeist is about the darker side of my nature – it’s me when I was scaring my younger sisters half to death when we were growing up.“

Spielberg stellt den Fernseher ins Zentrum der Story – passenderweise beginnt und endet der Film mit der Mattscheibe, die eine extreme Anziehungskraft auf Töchterchen Carol Anne ausübt. Als sie mit Geistesstimmen spricht, die aus dem Fernseher kommen, ruft sie aus: „They are here!“ Ihr Satz wird zum Filmzitat, das um die Welt ging.

 

Entstehung

Aufgrund einer Klausel in seinem Vertrag mit Universal darf Spielberg während der Vorproduktion von E.T. – The Extraterrestrial bei keinem anderen Film Regie führen, daher setzt er für Poltergeist Tobe Hooper als Regisseur ein, hält aber während der Dreharbeiten sämtliche kreativen Fäden in der Hand. Dies führt dazu, dass Spielberg in der täglichen Praxis die „Regie“ übernimmt. Daher zählen wir den Film zu seinen Regie-Werken.

Spielberg über die Art seiner Zusammenarbeit mit Tobe Hooper: „Tobe isn’t… a take-charge sort of guy. If a question was asked and an answer wasn’t immediately forthcoming, I’d jump in and say what we could do. Tobe would nod agreement, and that become the process of collaboration.“

Die Fanwebsite zum Film hat alle Details der Geschichte zusammengetragen.

Zur Frage, wer beim Dreh von Poltergeist das Sagen hatte, entstand eine Kontroverse, durch die sich Spielberg genötigt sah, die Leistungen von Tobe Hooper in einer ganzseitigen Anzeige im Hollywood Reporter lobend zu erwähnen (Hoopers Karriere kam jedoch nach diesem Film nie mehr in Schwung).

Poltergeist lebt nicht nur von seinen intensiven Schock- und Gruselmomenten, sondern durch seinen Humor– schon in Spielbergs Jaws (1975) die entscheidende Zutat. Anders als in strukturell konservativen Horrorfilmen, in denen es um die Wiederherstellung der Verhältnisse zum Filmbeginn geht, erleben wir das Finale als „reinigendes Gewitter“ und die Flucht der Familie als Aufbruch in ein neues Leben.

Spielberg beweist Gespür für den Zeitgeist, indem er wie in E.T. ökologische Themen einfließen lässt. Die drastisch vorgeführte Zersiedelung der Natur mit monoton angelegten Suburbs (Phase I-IV) kommt im Namen der fikitiven Stadt zum Ausdruck: Cuesta Verde bedeutet aus dem Spanischen übersetzt „Es kostet Grün“.

Hier eine Auswahl von Motiven aus Poltergeist (1982), die Spielbergs starken stilistischen Einfluss auf den Film unterstreichen – weshalb wir den Film zum Regiewerk von Spielberg zählen.

 

Großen Anteil am Erfolg des Films haben die durchweg glaubwürdigen Darsteller, allen voran Heather O’Rourke als Carol Anne, JoBeth Williams als Diane und Zelda Rubinstein als Medium Tangina.

Beeindruckend sind aber auch die optischen Effekte von ILM und die Bildgestaltung von Kameramann Matthew F. Leonett. Wie schon in Jaws (1975) setzt Spielberg in einer Schlüsselszene den von Hitchcock entwickelten Dolly Zoom-Effekt ein, um den Flur im Haus der Freelings scheinbar ins Unendliche zu dehnen:

Video-Clip

Die Filmmusik wird ausnahmsweise von Jerry Goldsmith komponiert, da John Williams bereits für E.T. – The Extraterrestrial eingespannt ist.

 

Rezeption

Der Film kommt bei Kritik und Publikum sehr gut an, doch bei den Academy Awards bleibt es bei drei Oscar-Nominierungen für Musik, Spezialeffekte und Tonschnitt.

Poltergeist zieht vor allem aufgrund der vereinzelt auftretenden Splatter-Szenen nicht das große Familienpublikum an, wie es E.T. gelingen sollte, erweist sich aber als äußerst profitabel. Bei sparsam angelegten Produktionskosten von 10,7 Millionen Dollar spielt der Film allein in den USA 80 Millionen Dollar ein.

Daher entstehen – ohne Spielbergs Beteiligung – zwei Fortsetzungen und ein Remake des ersten Teils.

 

Mehr

Erzähltechniken, Motive und Merkmale der Bildgestaltung in diesem Film betrachten wir en detail in unserem Buch Steven Spielberg – Tiefenscharfe Analysen.

 

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